Wohin des Weges?

Mit 360° Kommunikation Lösungen für alle schaffen

Interview mit Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung

Sie waren gerade beruflich in China: Was haben Sie als größte Inspiration von der Reise mitgenommen?

China ist immer spannend. Seit 1989 tauche ich regelmäßig in das Land ein und es gab seitdem schon eine große Dynamik in der Entwicklung. Was mich dieses Jahr besonders inspirierte, war die große Offenheit der Menschen: so häufig bin ich noch nie auf der Straße angesprochen worden. Gleichzeitig fiel mir in diesem Jahr auf, dass man zunehmend mehr darüber nachdenkt, wie man auch historische Elemente der Architektur und historische Gebäude erhält und einer neuen Nutzung zuzuführen kann, statt sie abzureißen und gegen austauschbare westliche Architektur zu ersetzen.

Unser STADTMACHER-Programm ist auf der Suche nach den besonders außergewöhnlichen Ideen und herausragenden Machern, die vor allem soziale Innovationen (inkl. neue Formen der Zusammenarbeit über Sektoren und Disziplinen hinweg) anstoßen und verwirklichen. Wenn wir von "Machern" reden, denken wir an "unternehmerische Persönlichkeiten" auf der Ebene von Bürgermeistern ebenso wie von Sozialunternehmern etc. Sind Ihnen auf der jetzigen Reise in China Persönlichkeiten begegnet, die Sie in diesem Sinne beeindruckt haben?

Mich hat vor allem ein Architekt und Stadtplaner beeindruckt, der gerade von der Biennale aus Venedig zurückkam. Er steht für den Trend, historische Gebäude zu renovieren und neu zu nutzen. Er hat mit anderen eine alte Stahlfabrik als Kreativ-Zentrum in Xi‘an neu belebt. Was aber schwierig ist: Gute Ideen brauchen kommunale und politische Unterstützer. Diese zu finden, ist in China nicht immer leicht – sie werden aber auch dort immer mehr.

Wen gibt es in Deutschland, den Sie als STADTMACHER besonders bemerkenswert finden? Gibt es z. B. einen Bürgermeister/ Bürgermeisterin, der/die Sie persönlich beeindruckt?

Mir fällt außerhalb Deutschlands direkt Michael Bloomberg ein, der als Bürgermeister viel bewegt hat und wiederum jetzt mit seiner Stiftung ein globales Netzwerk von Bürgermeistern schaffte, wo neue Ideen für Städte entwickelt und auch gleich umgesetzt werden. Auch in Deutschland gibt es etliche Kommunalpolitiker und Institutionen, die vorbildlich Städte weiter entwickeln, Stadtteile beleben und zusammen mit Bürgern neue Ideen der Stadtentwicklung umsetzen.

Sie haben einen Hintergrund im Bereich Kommunikationswissenschaften und haben bei der Robert Bosch GmbH auch den Bereich des Markenmanagements verantwortet. Im Interesse einer starken Marke "STADTMACHER China-Deutschland", was raten Sie uns?

Eine Marke entsteht, wenn die Idee begeistert und ein Bedarf dafür besteht. Ich glaube, dass im "Stadtmacher-Programm“ sehr viel Kraft steckt, die entfaltet werden kann, wenn internationale Experten auf deutsche und chinesische Architekten, Wissenschaftler, Kommunalpolitiker, Stadtentwickler und Wirtschaftsexperten sowie weiteren Multiplikatoren treffen. Aus den unterschiedlichen Perspektiven entstehen erst neue Lösungen und Konzepte. Das Allerwichtigste ist jedoch, dass Ideen auch umgesetzt werden, sodass man dann in einigen Jahren mit den jeweiligen Bürgern einer Stadt bewerten kann, welche Idee tatsächlich die beste war oder die größte Wirkung in Bezug auf soziale Innovationen für das Stadtumfeld erbracht hat.

Als Führungsperson, die viele Jahre die Sicht eines Unternehmens vertreten hat: Was meinen Sie, was die "Selling Points" der Plattform STADTMACHER gegenüber Unternehmen sind? Wie können wir auch Unternehmen gewinnen, bei den STADTMACHERN im Sinne eines gesellschaftlichen Engagements mitzudenken? Welches Modell sehen Sie, auch langfristig mit Unternehmen in diesem Kontext zusammen zu arbeiten?

Wirtschaft gehört zum bedeutenden Sektor, will man etwas bewegen. Und schon der Unternehmer Robert Bosch wusste, dass Geschäftsleute langfristig nur erfolgreich in intakten Umfeldern agieren können. Deshalb hat bereits er sich für Frieden und Aussöhnung sowie Umweltaspekte engagiert. In den vergangenen 3 Jahrzehnten hat man darüber hinaus gelernt, dass es darauf ankommt, gemeinsam schneller Lösungen zu entwickeln, weil die Menschheit ansonsten in unumkehrbare Zustände gerät, die nur mit besonderem Kraftakt und hohen Kosten oder gar nicht mehr verändert werden können. Daher bin ich ein Fan vom 360 Grad-Ansatz: alle relevanten Partner für ein Thema an einen Tisch und gemeinsam von Beginn an alle Stärken und Kompetenzen sowie Perspektiven einbringen. Dann entstehen schnellere und bessere Lösungen.

Was ist Ihre Lieblingsstadt? Warum?

Ich habe nicht nur eine Lieblingsstadt. Berlin mag ich, weil diese Stadt nie fertig wird; New York mag ich als multikulturelle Plattform mit Historie und kreativer Gegenwart; Hong Kong für die vielen grünen Oasen; Singapur wegen Marina Bay Sands und Xi‘an für seine Mischung aus chinesischer Kultur und wunderbaren Parks, Straßenbäumen und der schönen Landschaft um die 8,7 Millionen-Menschen-Metropole herum.

stadtmacher_horizont_trends_ts.png

Weitere Artikel zu Themen & Visionen
 

Was sind die grossen Themen und Herausforderungen der Urbanisierung und Stadtentwicklung in China und in Deutschland? Was sind Vision, Lösungsstrategien und Alternativen für lebenswerte Städte?
PortraitDuerig.jpg
Uta-Micaela Dürig (杜瑞曦) führt seit Juli 2015 gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Rogall die Geschäfte der Robert Bosch Stiftung. Die Kommunikations-wissenschaftlerin und ausgebildete Tageszeitungsredakteurin Dürig verantwortete seit Januar 2004 die weltweite Unternehmenskommunikation sowie die Bereiche Markenmanagement und Nachhaltigkeit des Technologiekonzerns Robert Bosch GmbH.

Kontakt & Links: