Wer ist unterwegs?

Dortmund und Xi‘an mit Schüleraugen sehen

Interview mit Dr. Christina Neder, Fachberaterin und beauftragte Fachleiterin für Chinesisch in NRW 

Was ist für Sie Dortmund und wofür steht Xi'an? 

Mit Dortmund verbinde ich die Entwicklung eines industriellen Zentrums zur Dienstleistungsmetropole. Dieser Wandel, mit all seinen Brüchen, ist noch im Gange und findet sich beispielsweise repräsentiert im Phönix-See oder im Dortmunder U. Xi’an ist für mich ähnlich vielschichtig – einerseits die große alte Kaiserstadt mit monumentalen Geschichtszeugnissen, andererseits die Industriestadt mit enormen Umweltproblemen und großen Schritten auf dem Weg des Strukturwandels.  

Unser Thema ist 'Lebenswerte Städte': Was können Ihrer Meinung nach Xi'an und Dortmund zu diesem Thema voneinander lernen? 

Dortmund hat in den letzten Jahren viele Anstrengungen unternommen, ein lebenswertes Umfeld zum Leben und Arbeiten zu schaffen. Dazu gehört für mich die Entwicklung von Erholungsräumen – wie der Phönix-See – und von urbanen 'Kulturräumen' - das Angebot im Bereich Theater, Ballett, Oper, Konzerte, Museen, ebenso wie die Kneipenviertel und nicht zuletzt der BVB. Ich denke, Xi’an kann genau in diesen Bereichen viel von Dortmund lernen. Zu Xi’an wiederum fällt mir der Aufbau eines nachhaltigen umweltschonenden öffentlichen Verkehrsangebots ein.

Der Chinesisch-Unterricht an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund ist bundesweit bekannt. Was ist Ihre persönliche Motivation, das Fach Chinesisch zu unterrichten? 

Meine eigene Motivation, Chinesisch zu lernen und mich mit China zu beschäftigten, resultierte aus der Faszination für die traditionelle chinesische Kultur- und Geistesgeschichte und Chinas soziokulturelle Entwicklung zu einer der prosperierendsten (post-)modernen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts. Im Wesentlichen lieferte dies den Impuls als Chinesisch-Lehrkraft zu arbeiten, um diese Faszination weiterzugeben.

Was fasziniert chinesische Schüler und Schülerinnen erst einmal am meisten an Dortmund? Wie erleben umgekehrt Ihre Schüler und Schülerinnen Xi'an? 

Chinesische Schülerinnen und Schüler sind vor allem von der sauberen Luft, von der geringen Bevölkerungsdichte, von geringem Lärm beeindruckt. Das Leben in Dortmund kommt ihnen viel erholsamer vor als in Xi‘an. Dieses Gefühl resultiert auch daraus, dass ihnen das Leben ihrer deutschen Altersgenossen von weniger Schulstress geprägt scheint. Sie genießen hier die Infrastruktur einer Großstadt mit ihren Einkaufs- und Freizeitangeboten und sind vom Stadion und den Fußballspielen begeistert. Umgekehrt sind meine Schülerinnen und Schüler in Xi’an vor allem von den vielen Menschen und vom unglaublichen Trubel einer Tag und Nacht pulsierenden Stadt beeindruckt. Aber auch von der bedeutenden Kultur und Geschichte, die in Xi’an erlebbar ist, ob in Form der riesigen alten Stadtmauer oder der Terrakotta-Armee. Im Austausch mit ihren chinesischen Altersgenossen und deren Eltern sind sie zumeist nachhaltig von der unglaublichen Gastfreundschaft und Großzügigkeit beeindruckt.

Kommunikator.png
Weitere Interviews mit Kommunikatoren
ChristinaNeder220X145.jpg
Dr. Christina Neder, Fachberaterin und beauftragte Fachleiterin für Chinesisch in NRW, NRW-Ländersprecherin des Fachverbands Chinesisch e.V.

Buchhändlerausbildung; Studium der Sprache, Literatur und Geschichte Chinas, Buch- und Bibliothekskunde und Soziologie in Bochum, Erlangen und Peking; Promotion zum Leseverhalten der Pekinger Stadtbevölkerung; 2. Staatsexamen in den Fächern Chinesisch und Sozialwissenschaften; Vorträge und Publikationen zur Sprache und Literatur Chinas und zur Fachdidaktik Chinesisch.

Kontakt: