Wohin des Weges?

Persönliches Miteinander für eine gute Partnerschaft

Interview mit Herrn Gunther Adler, Staatssekretär – BMUB, Janurar 2017

Gunther Adler auf dem STADTMACHER-Treffen 2016
Herr Adler, wie kann man zwischen China und Deutschland beim Stadtmachen unter ganz verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen dennoch voneinander lernen?   

Wenn wir es akzeptieren, dass wir in ganz unterschiedlichen Systemen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen leben und trotzdem auf gemeinsame Probleme gemeinsame Antworten finden, bedeutet das sehr viel. So haben wir den Rahmen der Deutsch- Chinesischen Urbanisierungspartnerschaft gefunden. Als Staatssekretär im BMUB spreche ich mit großem Interesse mit den Partnern in den Pekinger Ministerien über Fragen von Energieeffizienz im Wohnungsbau, Quartiersentwicklung, Smart Cities und klimafreundliche, CO2-arme Städte. In diesen und weiteren Feldern können wir voneinander lernen, China ist zum Teil äußerst innovativ. China ist mit seinen Modellen für CO2-arme Städte bereits sehr weit im Diskurs.  

Können Sie bitte ein Beispiel herausgreifen, wo die Wirksamkeit des Dialoges am deutlichsten gewesen ist?   

Wo hat es zu konkreten Ergebnissen geführt? Vor über zehn Jahren wurde das Projekt „Energieeffizientes Bauen“ in Peking zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) gestartet. In Peking sind wir die ersten Schritte gemeinsam mit unseren Partnern gegangen, um zum Beispiel Plattenbausiedlungen energetisch zu sanieren. Von Jahr zu Jahr haben wir mitbekommen, wie das Thema der Energieeffizienz Fuß gefasst hat und wie es in der eigenen chinesischen Wirtschaft und Produktion dann umgesetzt worden ist. Das ist für mich ein prägnantes Beispiel von wirksamem Wissenstransfer.  

Abgesehen von den strategischen Schnittmengen und dem gemeinsamen Nutzen ‒ wo liegen die Konfliktlinien in der Arbeit mit China?   

Ich habe häufig Firmenvertreter und Firmenvertreterinnen mit in meine Delegation aufgenommen. Ideen wurden gemeinsam entwickelt, aber es war schwer diese umzusetzen. Das lag häufig daran, dass die deutschen Partner andere Vorstellungen in Bezug auf Urheberrechtschutz und Joint- Ventures mit 51 : 49 - Mehrheiten hatten als die chinesischen Partner. In diesen Bereichen wünschte man sich eine größere Offenheit.  

Wie kam es dazu, den Punkt Partizipation in die Urbanisierungspartnerschaft mit aufzunehmen?  

Partizipation als Thema mit aufzunehmen war keine Schwierigkeit, sondern der Wunsch beider Seiten. Der Wunsch in China ist es, hierbei einen kontrollierten Prozess zu gestalten. In den letzten Jahren ist eine Einsicht gewonnen worden, dass eine kritische Sicht auf Gestaltungen der Stadtentwicklung keine Kritik am System, sondern eher identitätsstiftend ist. Die Umweltschutzbewegung, die es inzwischen in China gibt, ist nicht gegen die Regierung, die Politik oder das System insgesamt gerichtet. Sie ist gegen den einen Aspekt der Luftverschmutzung gerichtet und für den produktiven Ansatz, etwas zu tun.  

An welche Orte in Deutschland würden Sie chinesische Politiker bringen, wenn Sie die Rolle der Kultur in der Regionalentwicklung und der Transformation von Städten aufzeigen wollten?  

Ich würde zum Beispiel im Ruhrgebiet die Zeche Zollverein besuchen. An diesem äußerst lebendigen Kulturzentrum wird der Strukturwandel des Ruhrgebiets besonders gut deutlich. Ferner wäre es denkbar, die Umgestaltung einer alten Bahntrasse hin zu einer Fahrradtrasse quer durch Wuppertal vorzustellen. Denn mit diesem Projekt ist es uns gelungen, zahlreiche Quartiere mit unterschiedlichen sozialen Milieus miteinander zu verbinden. Als gebürtiger Leipziger würde ich aber auch nach Leipzig schauen, um aufzuzeigen, was für Potentiale im denkmalgeschützten Sanieren liegen und wie man mit diesem Ansatz ein lebendiges Stadtzentrum aufbauen kann. Neben den Metropolen können hierbei Chinas Kleinstädte von Leipzig sicherlich lernen und Ansätze übernehmen.  

Welches Potential sehen Sie für das STADTMACHER-Programm?   

Wenn es zu Begegnungen und Konferenzen Fortsetzungen gibt, dann ist das der Beginn einer sehr nützlichen Partnerschaft. Hierbei meine ich nicht nur eine fortlaufende thematische Auseinandersetzung, sondern vor allem auch das persönliche Miteinander und Zusammenfinden einer vertrauten Gemeinschaft von gleich Interessierten. Ein schöner Anknüpfungspunkt wäre es auch, wenn man einen interessierten Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin in einer chinesischen Kleinstadt findet, der bzw. die dann idealerweise in Kooperation mit einem deutschen kommunalen Counterpart Unterstützung und einen Rahmen zur Verfügung stellt für die Umsetzung.   

Das Gespräch führten Katja Hellkötter und Silvan Hagenbrock im Januar 2017 im BMUB.

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Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Geboren 1963 in Leipzig, studierte Humanmedizin zunächst in Leipzig, nach der Flucht aus der DDR Fortsetzung des Studiums in Köln, anschließend in Bonn Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und des Staatsrechtes. Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Dr. Hans Jochen Vogel. Langjährige Tätigkeit für Johannes Rau in dessen Büro als Ministerpräsident a.D. von Nordrhein-Westfalen sowie später im Bundespräsidialamt. Von 2004 bis 2008 Leiter des Vorstandsbüros des Parteivorstandes der SPD, ab 2008 Leiter der Politischen Planung sowie später des Referates Außenwirtschaft im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Von 2012 bis 2014 Staatssekretär im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit April 2014 Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.