Wer ist unterwegs?
Im Gespräch mit dem China-Beauftragen der Stadt Duisburg:

Neue Herausforderungen und Chancen durch das Seidenstrassen-Projekt

Interview mit Johannes Pflug, China-Beauftragter der Stadt Duisburg, April 2018

Herr Pflug, Ihre Telefonnummer weist die Endziffern -8888 auf. Ein Zufall?

Ich hatte mal eine humorvolle Begebenheit mit einem Deutschen aus der chinesischen Botschaft in Peking. Er sagte mir, er sei dort der einsamste Mensch der Welt, weil er am 4.4.44 geboren sei. In China ist die Zahl vier eine Unglückszahl. Die Zahl acht ist das Gegenteil, und diese hatte ich mir ganz bewusst ausgesucht.
 
Duisburg und Wuhan, worin liegt der Ursprung dieser Partnerschaft?

Wir haben seit 36 Jahren eine Partnerschaft mit Wuhan. 1982 wurde die Partnerschaft durch wirtschaftliche und politische Interessenten begründet, dann dehnte sie sich auch auf den Kulturbereich aus. In diesem Jahr werden wir den Künstler XU Bing mit seinem Filmprojekt „Mit den Augen der Libelle“ nach Duisburg einladen. XU Bing hat mit seinem Team 10.000 Ausschnitte  von Überwachungskameras gesammelt und editiert, einzelne Standorte herausgefiltert und dann mit Drehbuchautoren eine Geschichte geschrieben.  
 
Welche aktuellen Projekte betreuen Sie derzeit?

Wir sagen, Duisburg ist das Tor zu Westeuropa, vor allem wegen der hervorragenden Verkehrsanbindung. Dafür soll die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Das Chinese Trade Center Europe (CTCE) ist eine großangelegte Ansiedlung in Duisburg Asterlagen, die künftig einen Hotelkomplex, eine Laden- bzw. Geschäftsstraße, diverse Büro- und Konferenzräume, Wohnungen und E-Commerce-Angebote aufweisen wird. Das Projekt ist so konzipiert, dass chinesische Unternehmen, die sich in Deutschland oder Westeuropa niederlassen wollen, in Asterlagen vorübergehend ein Zuhause finden. Mittlerweile gibt es auch ein MoU zwischen den Duisburger Stadtwerken und der Firma Huawei. Hierbei geht es um die Erneuerung der Straßenbeleuchtung mit LED.
 
Was sind die Erfolgsfaktoren für gute Projekte zwischen Duisburg und China?

Man muss Vertrauen schaffen und sich gegenseitig kennenlernen. Wir haben regelmäßig – fast wöchentlich – chinesische Delegationen bei uns. Die Bekanntheit unserer Stadt nahm stark zu, nachdem XI Jinping am 29. März 2013 in Duisburg zu Besuch war. Dazu kommt, dass wir ein Knotenpunkt der neuen Seidenstraße sind. Bei konkretem Interesse kommt es darauf an, unkompliziert schnelle Verbindungen zu den benötigten Geschäftspartnern, zu Verwaltungs- und Wirtschaftseinrichtungen herzustellen.
 
Und wo befinden sich die Konfliktlinien in der Arbeit mit China?

Die Hauptkonfliktlinie liegt im wirtschaftlichen Bereich und in den Außenhandelsbeziehungen. Aus chinesischer Sicht werden ihre eigenen Aktivitäten boykottiert und behindert. China hat sich mit dem Beitritt zur WTO dazu verpflichtet, die Spielregeln einzuhalten. Es hat weitestgehend die Forderungen der WTO per Gesetz umgesetzt, aber es gibt immer noch massive Behinderungen wenn deutsche Firmen 100%ige Beteiligungen in China erwerben möchten. Es gibt auch Behinderungen für deutsche Unternehmen, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen, obwohl dieser Zugang durch die WTO-Richtlinien nach dem Comprehensive Treatment Agreement eigentlich gesichert werden muss.
 
Wie könnte eine gemeinsame Kooperation mit Ihnen und STADTMACHER China – Deutschland aussehen?

Das wichtigste ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch, Überlegungen von gemeinsamen Veranstaltungen und dann vor allem der people-to-people Dialog. Die beiden Außenministerien haben die Vereinbarung getroffen, dass people-to-people Veranstaltungen gefördert werden sollen. Vielleicht ergeben sich hierbei weitere Synergien auch mit Ihrem Programm.

Interviewer: Silvan Hagebrock, STADTMACHER Kernteam

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Über Johannes Pflug

Studium des Vermessungswesens an der Fachhochschule Essen, Studium der Physik und Wirtschaft an der Universität Dortmund, Dipl. Ing. für Vermessungstechnik ,Techn. Beamter bei der Stadt Duisburg, Leiter einer Stabsabteilung des Vorstandes der Stadtwerke Duisburg und Handlungsbevollmächtigter, insgesamt 25 Berufsjahre.

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